Narkolepsie – Wenn das Pferd einschläft

Oder wie man auch so schön sagt „Schlummersucht“, ist ein Krankheit die noch nicht viel erforscht ist. Nachdem bei meinem Pferd Narkolepsie Diagnostiziert wurde, habe ich das Internet sowie viele Bücher durchforscht um Ursache, Symptome, Krankheitsbild und natürlich Heilungsmöglichkeiten zu finden.

Die Symptome meiner Friesenstute (11Jahre) sahen folgendermaßen aus.

- Täglich blutige Fesselgelenke (sah aus als ob sie in einen Strick/Draht hineingerannt währe)
- Blutige Ellebogen?
- Sehr anhänglich
- Plötzliches einknicken der Vorderbeine, wenn Ronja am Dösen war

Bei meinen Recherchen hat sich ergeben, dass dies vor allem Pferde im Offenstall betraf. Sowohl Pferde die in Kleingruppen lebten wie auch bei großen Gruppen (15 und mehr)

Narkolepsie – Das Krankheitsbild

Wird in der Fachsprache Dyssomnie genannt und ist eine neurologisch bedingte Erkrankung. Es handelt sich hierbei nicht, wie zuerst angenommen um einen erhöhten Schlafdrang sondern um eine Störung der Schlafdynamik. Das heißt, dass Pferd hat durch das verschieben der REM-Phasen und der SOREM-Phasen keinen erholsamen Schlaf.

Narkolepsie – Ursache

Man spricht von einer neurologischen Erkrankung bei der mit höchster Wahrscheinlichkeit eine degenerative Veränderung im Suprachiasmatischer nucleus stattfindet sowie ein Verlust der grauen Substanz im Nucleus accumbens. Zusätzlich kommt es zu einem Verlust der Orexin-Zellen im Hypothalamus.

Narkolepsie – Symptome

Es handelt sich um die sogenannte narkoleptische Tetrade, da das Krankheitsbild von 4 Kardinalsymptomen bestimmt wird.

- Schlafzwang
- Kathaplexie
- Abnormer Schlafrhythmus
- Schlafparalyse

Schlafzwang
Der Schlafzwang ist eine, ganztägig anhaltendes unwiderstehlicher Schläfrigkeit, welche ohne Kontrolle von Sekunden bis mehreren Minuten Täglich einsetzen kann.

Kathaplexie
Bei der Kathaplexie kommt es zum Kontrollverlust des Muskeltonus. Das heißt, dass Pferd knickt vorne ein und oder verliert das Gleichgewicht. Dies geschieht in vollem Bewusstseinszustand.

- Dieser Zustand hat einen hohen Verletzungsgrad vor allem von Fesselgelenken, Schulter und Halswirbel. „Für Ronja war ein guter Osteopath ein Segen, da sie sich wahrscheinlich durch einen der Sturze mehrere Halswirbel verrenkt hatte.“ Nach dem Einrenken lief sie sehr viel entspannter auf dem Platz und auch die Biegung nach links war plötzlich kein Problem mehr.

Abnormer Schlafrhythmus
Durch einen verschobenen Schlafrhythmus kommt das Pferd zu früh in die Traumphase und der Schlaf wird durch die Verschiebung der REM und SOREM-Phasen wenig erholsam. Dadurch kommt es zu einem Kreislauf der den Schlafzwang am Tag einfordert.

Schlafparalyse/Schlaflähmung
Die Schlafphase tritt beim aufwachen/einschlafen ein. Dabei kommt es zur kurzzeitiger Lähmung der Muskulatur. Das Pferd nimmt während dieser Zeit seine Umgebung wahr. Schlafparalysen können, anders wie bei der Kataplexie durch Berührung aufgehoben werden.

  • Die Lähmung wird durch die Zerstörung des Schließvorgangs, des Natriumionenkanals ausgelöst. Durch den Defekt kommt es zur Anhebung von Natriumionen im Blut. Dadurch kommt es zu unkontrollierter Entspannung der Muskeln (Tonusabfall).
  • Stresshormone heben die Kaliumkonzentration im Blut wieder an. Daher wird empfohlen, das Pferd etwas auf dem Sandplatz zu führen, wenn ein solcher Zustand beobachtet wurde.

Narkolepsie – Diagnose

Als aller erstes ist es wichtig einen Tierarzt hinzuziehen, da es viele Schwerwiegende Erkrankungen gibt, die die selben Symptome zeigen.

- Wichtig ist ein Ausschluss von cardiovaskulären und respiratorisch verursachten Erkrankungen
- Ausschluss von Bornavieren! Es treten vermehrt Fälle auf, bei denen Narkolepsie diagnostiziert wurde und welche zusätzlich an Bornavieren litten.

Rassenbedingte Erkrankung – Narkolepsie trat vermehrt bei folgenden Pferderassen auf:

- Appaloosa
- Miniaturpferde
- Vollblüter
- Morgan
- Quarter Horses
- Shetland-
- Fell-
- Sufflok Ponny´s

Narkolepsie – Therapie

Es gibt die Medikamentöse Therapie wie beispielsweise:

  • Impiramia (trizyklisches Antidepresiva)
  • Atropinsulfat (kann schwere Attacken reduzieren und das wiederauftreten für ca. 30 Std. verhindern)

Da vermutet wird, das Narkolepsie durch Stress ausgelöst wird (durch Reiten, Herde usw.) ist es wichtig sich die Situation des Pferdes genau an zu schauen.

Auffallend war, dass bei fast allen Erfahrungsberichten die Pferde, in eigentlich optimalen Offenstallhaltungen, gehalten wurden.

Mein Pferd wechselte nach der Diagnose nun ebenfalls von der Offenstallhaltung zur Boxenhaltung (nur Nachts!) daraufhin verbesserte sich ihre Situation.

- Ihre Fesselgelenke sind vollständig verheilt
- Vitalfunktionen verbesserten sich

Bei leichter Narkolepsie kann Unbedenklich das Pferd geritten werden. Sollte es ein schwerwiegender Fall sein, so muss das Pferd zum Schutz von Reiter und Pferd in „Pension“ geschickt werden. Zur Diagnose und wie schwerwiegend die Narkolepsie wirklich ist, ziehen Sie bitte ihren Tierarzt hinzu.

Für neue Info´s bin ich gerne offen.

3 Kommentare
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  1. Danke für die wertvollen Infos. Das erspart mir einiges Suchen im Web.
    Vor eineinhalb Jahren kaufte ich ein Pferd und intergrierte es in eine Herde mit 50 Perden (Aktiv-Stall). Nach einigen Wochen zeigten sich ca. 1-Euro-große offene Stellen vorne an den Fesselgelenken sowie leichter Fellabrieb unterhalb der Karpalgelenke. Zunächst dachte ich, dass die Verletzungen durch Anschlagen an den Fressständern kamen, da mein Pferd beim Fressen meistens ein Vorderbein anhebt oder damit scharrt. Durch entsprechende Abpolsterung und weiterhin offene Stellen fiel diese Ursache aus. Dann blieb nur noch Hinlegen auf hartem Boden als Ursache, auch wenn das für mich schwer vorstellbar war. Wir haben unterschiedliche Böden, von dicken Gummimatten in Ruhehallen, über Sand, Knochensteinen bis Gras. In der Zwischenzeit wiesen auch andere Pferde die gleichen Verletzungen auf. Mit “umgedrehten” Sprungglocken kann man die Verletzungen vermeiden, aber zufrieden war ich damit nicht, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass selbst wenn sich mein Pferd auf harten Untergrund legen sollte – was in Anbetracht der Auswahl ohnehin schon sehr merkwürdig wäre – , solche Verletzungen auftreten können.
    Neulich döste er dann an der Anbindestange, ich stand nur einen Meter entfernt. Plötzlich sackte der Kopf nach unten und er fiel auf Fessel- und Karpalgelenke. Die Haut riss genau an den alten Stellen auf (leider hatte ich ihm zum Putzen die Glocken ausgezogen). Daraufhin beobachtete ich stundenweise die Herde, wenn die Pferde in der Sonne dösten und konnte tatsächlich bei zwei weiteren Pferden das gleiche beobachten. Dass aus 50 Pferden gleich drei an der seltenen Erkrankung Narkolepsie leiden ist sicherlich unwahrscheinlich. Es kann eigentlich nur so sein, dass die betroffenen Pferde zu wenig zur Ruhe kommen, sich nicht hinlegen möchten, im Stehen in den Tiefschlaf (? an und für sich angeblich ja nur auf der Seite liegend möglich) und so die Muskelspannung verlieren. Meine Rechercheergebnisse kommen bislang auch immer auf Beobachtungen aus Offenställen. Das kann kein Zufall sein.
    Mein Pferd macht den Eindruck, als ob es sich ansonsten wohl fühlt. Er ist gut genährt, sozial verträglich, ausgeglichen (oder müde???) und die Pferde haben mehr als den 2.5-fachen Platz an Fläche als “notwendig” mit großen Weiden. Durch computergesteuerte Fütterung kommt es auch nicht zu Ressourcenkämpfen. In der Herde geht es meistens sehr friedlich zu. Wenn aber tatsächlich eine zu geringe Ruhemöglichkeit die Ursache ist, kann ich das nicht verantworten. Das Pferd hat eine unbekannte Vorgeschichte und damit fehlt es mir an Vergleichsmöglichkeit. Bevor ich es umstelle – in eine kleinere Gruppe oder Box würde ich mich über weitere Berichte von Pferdebesitzern freuen, die einen dieser Schritte gegangen sind. War die sog. “Narkolepsie” dann verschwunden?

  2. Ich möchte mich auch für Euren Beitrag bedanken…bin zur Zeit in Streß, werde zu späteren Zeitpunkt meine Geschichte erzählten…jetzt erstmal vielen Dank, da ich jetzt weiß nach was ich suchen bzw. ausschließen muß…
    bin ganz am Anfang…mein Pferd zeigt erst seit kurzem dieses Verhalten und aúch sehr unregelmäßig…noch…
    Viel Gesundheit und oder wenig Rückfälle wünsche ich..
    LG Manu

  3. Hallo,
    ich bin auch Echt dankbar für die Hinweise. Meine Stute (15 Jahre) kommt tagsüber auf die koppel und nachts in den stall. Schon seit einiger Zeit beobachte ich, dass sie wenn ich sie auf der stallgasse anbinde zum putzen, plötzlich die Augen schließt, dann den Kopf richtung Boden senkt und dann vorne einknickt. Wenn ich Glück habe merke ich es rechtzeitig, und mache sie mit schnalzen berühren und ähnlichen wieder aufmerksam sodass die augen aufgehen.
    Da es wirklich zu schwereren Verletzungen kommen könnte, würde ich mich über weitere Infos wirklich bedanken.
    Lg Lana

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